I cannot forecast to you the action of Russia. It is a riddle wrapped in a mystery inside an enigma. Winston Churchill
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Aug 11, 2008

An die Regierung der Bundesrepublik Deutschland

Die tatsächliche Situation im Kaukasus ist derzeit noch hinter einem dunklen Schleier an Unklarheiten und widersprüchlichen Informationen verborgen. Die derzeitige Situation ist geprägt von der Übernahme politischer Stellungnahmen der russischen und georgischen Seite. Bisher gibt es nur wenige unabhängige Berichte aus der Region. Beim Kaukasuskonflikt handelte es sich zudem um einen eingefrorenen Konflikt, so dass praktisch keine europäischen Journalisten in der Region waren. Die Berichterstattung erfolgte daher überwiegend aus den Moskauer Büros der verschiedenen Agenturen. Diese nutzten selbstverständlich ihre vorhandenen Informationskanäle in Russland. Hierdurch lag der Schwerpunkt automatisch auf der Darstellung Russlands. Leider gibt es zudem in Georgien wenig Berichterstatter und Ansprechpartner, wovon Russland ebenfalls profitiert.

Heute ist nicht nur ein militärischer Krieg zwischen dem kleinen Georgien und Russland entbrannt, sondern auch ein Informationskrieg und es wäre für Georgien fatal, in diesem Krieg als Aggressor und Okkupant dargestellt zu werden.

In Deutschland gibt es derzeit kaum Berichterstattung und Informationen über die Hintergründe und den konkreten Anlass des Krieges. Überwiegend beginnt die deutsche Berichterstattung damit, dass Georgien Südossetien angegriffen und damit den Krieg ausgelöst hat, bevor man sich der Rolle Russlands zuwendet. Es wurde nur darüber geschrieben und geredet, dass Georgien den Krieg angefangen hat. Allerdings wurde dieser Konflikt, der jahrelang gefroren war, von Russland nach und nach aufgetaut, bis er nun entflammen konnte. Hierbei trifft Russland die Hauptlast der Verantwortung nicht nur für die Ursachen, sondern auch für den konkreten Anlass des Krieges:

Der konkrete Anlass wurde bisher in den deutschen Medien nicht einmal erwähnt: In Südossetien leben nicht nur Osseten, sondern auch etliche Georgier in mehreren Dörfern. Diese Dörfer sind seit mehreren Monaten das Opfer des Beschusses durch Separatisten, so dass die georgische Regierung sich zu einem Eingreifen genötigt sah. Zum Schutz der georgischen Bevölkerung berufen waren unter anderem die russischen Friedenstruppen, die jedoch wegsahen und die Separatisten zudem mit Waffen versorgten.

Wie würde man in Deutschland reagieren, wenn das eigene Land, die eigene Bevölkerung, Schulen und Kindergarten Tag und Nacht ohne Gnade beschossen werden würden. War es nicht richtig zu versuchen, dem ein Ende zu setzen? Wie soll man reagieren, wenn einem auf dem eigenen Staatsgebiet gezielt die Bevölkerung abgeworben wird und gezielt separatistische Bestrebungen künstlich gefördert werden? Und wie sollen wir jetzt reagieren, nachdem Russland vollkommen grundlos auch ureigenstes georgisches Gebiet angreift?

Wir möchten die internationale Weltgemeinschaft auffordern, alles Mögliche zu tun, um Russlands Aggression gegen das souveräne Land Georgien zu stoppen!

Russland hat die Region systematisch destabilisiert und somit den Konflikt heraufbeschworen. Georgien hat sich dagegen ständig bemüht, diesem Krieg, der übrigens absehbar war, auszuweichen:

Ø Unsere Bemühungen, Russland davon abzuhalten, die Bevölkerung in Süd-Ossetien mit russischen Pässen auszustatten, hatten kein Erfolg. Eine Reaktion der westlichen Völkergemeinschaft hierauf war kaum zu erkennen. Folge dieser russischen Passpolitik ist nunmehr, dass der Krieg von russischer Seite mit dem Schutz ebendieser Staatsbürger begründet wird

Ø Georgien hat Süd-Ossetien weitgehende Autonomierechte angeboten. Das Angebot wurde auch von der Seite der EU als positiv und akzeptabel bewertet, doch die Russische und Ossetische Seite haben das Angebot abgelehnt.

Ø Vergeblich versuchte Georgien die russischen sogenannten Friedenstruppen durch eine gemischte internationale Truppe - auch mit russischer Beteiligung, zu ersetzen. Doch der Plan scheiterte an der Verweigerungshaltung der russischen Seite.

Ø Die ossetischen Separatisten beschossen tagtäglich die friedliche Bevölkerung in den georgischen Dörfern des Südossetiens. Die russischen s.g .Friedenstruppen erscheinen nicht als Beobachter sondern als aktiver Unterstützter dieses separatistischen Terrors.

Ø Selbst während der massiven Bombardierungen der georgischen Dörfer am 08.08.08 hat der georgische Präsident noch einen einseitige Waffenstillstand ausgerufen und die ossetische und russische Seite aufgefordert, das Feuer einzustellen.

Wir appellieren an die westliche Völkergemeinschaft klarzustellen, dass Georgien in diesen Krieg hineingezwungen wurde.

Fakten sprechen für sich. Wer hätte Interesse am Krieg? Georgien?

Ø Ein Krieg gegen das eigene Land? Gegen die eigene Bevölkerung?

Ø Wirtschaftlicher Faktor: Was für katastrophale wirtschaftliche Folgen würde ein Krieg für ein so kleines Land wie Georgien haben?

Ø Russland Faktor:

Ø Auf dem NATO-Gipfel in Bukarest wurde entschieden, Georgien mit der Begründung, dass das Land zunächst die Konflikte im eigenen Lande lösen soll, nicht in den Aktionsplan der NATO aufzunehmen. Damit war für Georgien klar, dass Russland alles daransetzen wird, Georgien in einem Konflikt hineinzuzwingen und damit die georgischen Pläne zum NATO-Beitritt endgültig begraben.

Ø Schlussendlich: Ein Krieg in Süd-Ossetien wäre ein Krieg gegen Russland und damit für Georgien verheerend. Denn wer sind die Mitglieder der pro russischen Regierung Süd Ossetiens?

Ø Süd-Ossetiens KGB-Chef – Anatoly Baranov ist der ehemalige Leiter der Agentur für Sicherheit der Russischen Föderation (FSB - Nachfolger des KGB) in der russischen Republik Mordovien. (Russe, Spricht kein Wort Ossetisch.)

Ø der Innenminister Süd-Ossetiens - Micheil Mindzayev ist ein ehemaliger Mitarbeiter des Innenministeriums in Nord-Ossetien (Russland)

Ø der Verteidigungsminister Süd-Ossetiens – Vasily Lunev ist ehemaliger Millitärkommissar in Perm (Russland). (Russe, spricht kein Wort Ossetisch).

Ø der Minister des Süd-Ossetischen Sicherheitsrates – Anatoly Barankevich war Militärkomissar im Stavropol (Russland) Gebiet. (Russe, spricht kein Wort Ossetisch).

Ø Premierminister Süd Ossetiens – Yuri Morozov (Russe, spricht kein Wort Ossetisch.)

Nun wer profitiert von dem Krieg?

  • Der Krieg wird auf dem Territorium eines fremden Landes geführt.
  • Der Wirtschaftliche Faktor ist für Russland nicht so entscheidend wie für Georgien.
  • Russland legitimiert durch diesen Krieg seinen Einmarsch in Georgien, schon jetzt in Süd Ossetien als auch in Abchasien. Auch Militärstützpunkte in diesen Gebieten werden dadurch legitimiert.
  • Ein destabilisiertes Land kann nicht in NATO aufgenommen werden.
  • Russland kann das international nicht anerkannte Süd Ossetien und Abchasien eher an eine Kosovo-Präzedenz knüpfen und die Unabhängigkeit dieser Gebiete, ungeachtet der Meinung der Flüchtlinge aus diesen Regionen, anerkennen.
  • Russland erlangt durch diesen Krieg der Oberhand über ehemalige Einflussgebiete wieder.

Die russische Föderation führt eine militärische Aggression gegen den souveränen Staat Georgien durch. Die erwähnte Aggression stellt sie als so genannte ,,humanitäre Förderung" und ,,zwingende Operation für den Frieden“ dar.

Georgien hat vielmals die Internationale Gemeinschaft davor gewarnt, dass Russland gezielt in den Konfliktregionen auf dem Territorium Georgiens die Eskalation der Situation herbeiführt und eine Politik der Annexion der Regionen Südossetien und Abchasien Georgiens betreibt.

Es ist Zeit, dass die zivilisierte Welt, das demokratische Europa und in erster Linie die Bundesrepublik Deutschland der Wahrheit in die Augen schaut! Und die Wahrheit sieht so aus: heute führt die russische Föderation einen offenen Krieg gegen Georgien, bombardiert u.a. von der Konfliktregion 200 km entfernte zivile Objekte und die friedliche Bevölkerung.

Georgien wird heute nur dafür bestraft, dass es danach strebt, seine Freiheit und Souveränität zu verteidigen und an der euro-atlantische Zukunft zu bauen.

Heute wird Georgien gemeinsam von Abchasien und Russen angegriffen. Der Staat Georgien wird von Westen und Norden gleichzeitig bombardiert.

Es ist nicht schwer zu begreifen, warum der Gigant Russland die Geschichte wiederholen will, und zwar die Annexion Georgiens 1921 durch Rote Armee, es ist klar, es geht um Macht im Öl-Reichenden Kaukasus.

Heute im 21.Jahrhundert darf es nicht sein, dass die zivilisierte Welt gegenüber einer solchen Aggression des gigantischen Russland gegenüber dem kleinen Land Georgien die Augen verschließt.

Wir, in Deutschland wohnende Georgier, Ukrainer, Russen, Juden, Tschetschenen, bitten die Regierung der Bundesrepublik Deutschlands, dieser Aggression der Russischen Föderation gegenüber Georgien aktiv entgegenzuwirken, alle möglichen Maßnahmen für die Herstellung von Frieden und Sicherheit in diesen Regionen zu ergreifen und das Blutvergießen an Kindern, Frauen und älteren Menschen zu stoppen.

Bitte wiederholen Sie nicht den historischen Fehler! Wenn Europa passiv wird, wird Russland vernichtend.

Heute Georgien, Morgen?! Möchten Sie der Nächste sein!